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Auswertung der ersten hessenweiten Haupt- und Realschulprüfungen

Pressemeldung vom 12.10.2004

Dieser Beitrag ist abgelaufen: 11. November 2004 00:00

 Auswertung der ersten hessenweiten Haupt- und Realschulprüfungen vorgestellt Noten liegen im Schnitt einer normalen Klassenarbeit / Fulda setzt sich an die Spitze

Die Ergebnisse der ersten Abschlussprüfungen in den Bildungsgängen Haupt- und Realschule machen erstmals hessenweite Leistungsvergleiche möglich. Bei der Bekanntgabe der Auswertung sagte Kultusministerin Karin Wolff heute in Wiesbaden: "Mein Ziel, beide Bildungsgänge zu stärken und aufzuwerten, ist klar erreicht. Die Abschlüsse sind jetzt hessenweit vergleichbar." An den Abschlussprüfungen in Deutsch, Mathematik und Englisch hatten rund 47.000 Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen teilgenommen.

Sie lösten im Durchschnitt etwas über 60 Prozent der Aufgaben. Damit liegen die Ergebnisse im Bereich der Note "befriedigend", was einer normalen Klassenarbeit entspricht. "Die Quote zeigt, dass die Aufgabenstellungen in allen Fächern eine realistische Grundlage für die Abfrage der Kompetenzen bilden", so Wolff.

Hessen hat als einziges Bundesland schon vor der ersten Durchführung von Abschlussarbeiten für alle Fächer und Schulformen einen einheitlichen Notenschlüssel verbindlich vorgegeben. "Bei allen Arbeiten gelten prozentual die gleichen Bewertungsgrenzen", sagte Wolff. Danach mussten für die Note "1" mindestens 90 Prozent der Aufgaben gelöst werden, für eine "2" mindestens 75 %, für eine "3" mindestens 60 % und für eine "4" mindestens 45 %. "Wer 80 Prozent der Aufgaben löst, ist damit vielleicht Klassenbester, bekommt aber keine 1", verdeutlichte die Ministerin die Bedeutung des Notenschlüssels.

Die Auswertung der Lehrerbefragung mit einem Rücklauf von 4.580 Fragebögen (rund 90 Prozent) ergab, dass mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte durch die Prüfungen eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse gewährleistet sehen. Mehr als 80 Prozent hielten die Bearbeitungszeit für ausreichend, den Schwierigkeitsgrad für angemessen und die Aufgabenstellungen gut verständlich formuliert. Als wichtigste Informationsquelle zur Vorbereitung dienten ihnen die vom Ministerium veröffentlichten Aufgaben-Prototypen. Drei von vier Lehrkräften zeigten sich mit den erzielten Ergebnissen zufrieden bzw. sehr zufrieden.

Signifikante Prüfungsergebnisse gab es z.B. in Deutsch/Hauptschule. Hier erzielten die Schülerinnen und Schüler gute Leistungen im Textverständnis (Lesen) mit durchschnittlich 76,2 % erreichter Punkte. In der Textproduktion (Schreiben) ist das Ergebnis mit 62,8 % noch befriedigend. Dies gilt jedoch nur eingeschränkt für das Beherrschen der sprachlichen Form, wozu etwa Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik zählen: "Die Punktzahl von 54,9 % zeigt deutlich, wo im Deutschunterricht noch intensiver gearbeitet werden muss", sagte Wolff.

Wichtige Rückschlüsse für den Unterricht erlauben zudem die Resultate in Englisch/Hauptschule. Zwar entspricht die Gesamtquote von 65,4 % der Note 3,2 und somit einem guten Ergebnis einer Klassenarbeit, doch gibt es beträchtliche Unterschiede zwischen dem Lese- und dem Hörverstehen: Während Sprache und Grammatik den Schülerinnen und Schülern weniger Schwierigkeiten bereiten, hapert es beim Hörverstehen. "Offenbar wird im Unterricht noch zu selten mit authentischem Hörmaterial gearbeitet", so Wolff.

Ähnlich wie beim landesweiten Mathematikwettbewerb förderten die Abschlussprüfungen im Fach Mathematik in beiden Bildungsgängen (Haupt- und Realschule) Probleme bei offenen Aufgabenstellungen zutage. Die Textaufgabe, die eine schriftliche Begründung für die Lösung verlangt, wurde beispielsweise in der Hauptschule nur zu 30,9 % gelöst, was einer glatten "5" entspricht. Positiv ist dagegen zu vermerken, dass die Zuordnungsaufgabe (Dreisatz) zu 72,4% und damit überwiegend gelöst werden konnte.

Die erkannten Schwachstellen, vor allem im Fach Mathematik, will Wolff mit gezielter Hilfestellung ausräumen. "In manchen Schulen ist es dringend erforderlich, Fachberater von den Staatlichen Schulämter anzufordern." Für eine bessere Vermittlung des Unterrichtsstoffs setzt sie zudem auf die Ausweitung des SINUS-Programms zur Qualitätsverbesserung im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht. Demnach werden am Modellversuch SINUS-Transfer bis Ende des Schuljahres 50 hessische Schulen mit Sekundarstufe I teilnehmen. Ein besonderes Ziel des Modellversuchs ist die Förderung der so genannten "PISA-Risikogruppe", also jene rund 25 Prozent der deutschen Schülerinnen und Schüler, deren mathematische Grundbildung nur bedingt für die erfolgreiche Bewältigung einer Berufsausbildung ausreicht.

Im Vergleich der Schulämter bestätigt sich der bereits im Juli gemeldete Trend: Der Landkreis Fulda ist in allen Fächern in der Spitzengruppe vertreten; in der Wertung folgen die Schulämter Main-Kinzig-Kreis und Rheingau-Taunus-Kreis/Wiesbaden. Während die Spreizung der Resultate in Deutsch und Englisch in beiden Bildungsgängen relativ gering ausfällt, sind die Abweichungen im Fach Mathematik eklatant: Die Differenz zwischen dem Bestplatzierten Fulda und Schlusslicht Frankfurt entspricht einem Notensprung von 1,5 (Hauptschule: 65,1% gegenüber 49,2%; Realschule: 69,8% gegenüber 50,3%).

Diese Schulämter erzielten die besten Resultate nach Prozent der gelösten Aufgaben

Fach/Schulamt 1. Platz 2. Platz 3. Platz

Deutsch/Hauptschule Landkreis Fulda(67,6%) Groß-Gerau/Main-Taunus-Kreis (67,2%) Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner (66%)

Deutsch/Realschule Landkreis Fulda(65,5%) Rheingau-Taunus/Wiesbaden (62,3%) Bergstraße/Odenwald (62,2%)

Englisch/Hauptschule Main-Kinzig-Kreis (72,1%) Landkreis Fulda(68,2%) Groß-Gerau/Main-Taunus-Kreis (67,8%) E

nglisch/Realschule Rheingau-Taunus/Wiesbaden (64,7%) Landkreis Fulda(64,3%) Landkreis Marburg-Biedenkopf (64%)

Mathematik/Hauptschule Landkreis Fulda(65,1%) Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißn. (59,7%) Landkreis Marburg-Biedenkopf (56,2%)

Mathematik/Realschule Landkreis Fulda(69,8%) Landkreis Marburg-Biedenkopf (62,6%) Lahn-Dill/Limburg-Weilburg (61,8%)

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